Individuen2017-07-06T15:09:55+02:00

INDIVIDUUM

 

 

In der ersten Hälfte des Jahres 2017 wurden ca. 20 erwerbsbiografische Interviews mit Geflüchteten in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Die Auswahl der Herkunftsländer der Interviewpartner orientierte sich an den Ländern, die in den Zuständigkeitsbereich des Integration Points in Nordrhein-Westfalen fallen (Syrien, Irak, Iran Eritrea, Somalia). Es wurde darauf geachtet sowohl männliche als auch weibliche Interviewpartner aus allen Bildungsschichten und unterschiedlichen Generationen auszuwählen. Die Interviewpartner befanden sich entweder im Asylverfahren oder waren als Asylsuchende bereits anerkannt.

Die problemzentrierten Interviews wurden durch einen Frageleitfaden gestützt, der die Erwerbs- und Bildungsbiografie thematisch clustert. Eine wichtige Fragestellung ist die Deutung der Interviewpartner in Bezug auf ihre eigene Erwerbs- und Bildungsbiografie.

Die Auswertung erfolgt mit hermeneutischen und inhaltsanalytischen Methoden im Rahmen qualitativer Sozialforschung.

Der wohl wichtigste erste Gesamteindruck aus den erwerbsbiografischen Interviews waren die unterschiedlichen kultur- und bildungsabhängigen Denk- und Handlungspfade der Interviewpartner (Mehrdeutigkeit), die sehr heterogene Voraussetzungen für den Prozess der Integration in Arbeit mit sich bringen.

Generell kam in den Gesprächen eine hohe Arbeitsbereitschaft zum Ausdruck. Bereits besser qualifizierte Menschen weisen eine hohe Bildungsaffinität auf und streben auch in Deutschland eine kontinuierliche Kompetenzentwicklung an. Grundsätzlich gibt es viele Vorbehalte gegenüber beruflicher Qualifizierung. Höher qualifizierte Asylsuchende streben eher eine akademische Weiterqualifizierung an, da die berufliche Qualifizierung in den Herkunftsländern (Ausnahme Iran) eine geringere Wertschätzung erfährt.

Weniger gut vorqualifizierte Menschen können häufig die Vorteile einer beruflichen Ausbildung nicht ermessen, da in den Herkunftsländern keine systematischen Ausbildungen existieren und das nötige Know-How durch informellen Wissens-Transfer vermittelt wird. Ein weiteres Argument für das Überspringen einer Ausbildung ist der Wunsch nach schnellem finanziellen Verdienst, der eher durch unqualifizierte Arbeit erreichbar scheint.

Eine detaillierte Auswertung der erwerbsbiografischen Interviews erfolgt im Zwischenbericht. Ziel der Auswertung ist es trotz der Heterogenität, verallgemeinerungsfähige Hypothesen für die gesamte Zielgruppe zu bilden, in der die spezifischen Ausgangsbedingungen aber gleichwohl berücksichtigt werden. Eine Kategorisierung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden soll helfen, Hypothesen für eine gezielte Unterstützung der Arbeitsintegration zu generieren. Ein Hauptfokus liegt in der Identifizierung von erkennbaren Mustern in der Kompetenzbildung bzw. –entwicklung und in der übergreifenden Kategorisierung von Kompetenzen im Rahmen der biografischen Entwicklung von Geflüchteten.

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